Predigt über Röm. 13,8-14
1. Advent 2009

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

– Verlesen des Predigttextes Röm. 13,8-14 Leben im Lichte des kommenden Tages

 

10 Wer seinen Mitmenschen liebt, fügt ihm kein Unrecht zu. Den anderen lieben bedeutet also: das ganze Gesetzt Gottes erfüllen.

11 Macht damit Ernst! Ihr wisst doch, was die Stunde geschlagen hat, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden.

12 Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. Deshalb wollen wir nicht Dinge tun, die der Dunkelheit angehören, sondern mit den Waffen des Lichtes kämpfen.

13 Lasst uns so leben, wie es zum hellen Tag passt, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Hader und Eifersucht;

14 sondern zieht an den Herrn Jesus Christus und sorgt für den Leib nicht so, dass ihr den Begierden verfallt.

 

Liebe Gemeinde!

Der Apostel Paulus bringt die Botschaft des heutigen Tages auf den Punkt: Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe herbeigekommen. Heute, am ersten Advent, befinden wir uns in den aller ersten Morgenstunden! Noch umgibt uns die Nacht, aber der Tag ist als heller Streifen schon am Horizont zu sehen. Heute ist es für nichts zu spät, wir stehen ganz am Anfang und haben alle Zeit vor uns. Diesen Moment, dieses Gefühl wollen wir auskosten! Wir wollen in aller Ruhe aufstehen, uns frisch machen und neue Kleider anlegen. Denn heute ist der 1. Advent und wir haben das Heil vor uns!

 

I. Aufstehen

Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe herbei gekommen. Also sagen wir mal 5.30 in der Frühe. Das wäre eine gute Zeit, um aufzustehen, damit wir nicht den wunderbaren Tag verschlafen und den Zauber des frischen Morgens ungenutzt verstreichen lassen. Paulus sagt: Leute, erkennt die Zeit, nämlich dass die Stunde da ist um aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist uns jetzt näher als zu der Zeit, als wir gläubig wurden.

Aufstehen – das weckt freilich bei so manchem gar keine guten Gefühle. Denn das Aufwachen wird in der Regel vom Wecker diktiert. Und oft ist er das Startsignal für einen Tag, auf den wir eigentlich gar keine Lust haben. Darum hassen wir den Wecker, und das Aufstehen und das Morgengrauen. Wir schleichen uns mit langen, verschlafenen und mürrischen Gesichtern durch den Morgen und wünschen uns nichts sehnlicher, als dass es wieder Abend würde und wir wieder in´s Bett steigen können.

Es geht aber auch ganz anders: das Auto steht gepackt bis unters Dach auf dem Hof. Die Thermosflaschen sind schon gefüllt und die Reisebrote eingewickelt. Der Wecker klingelt wie gewohnt um 5.30. Aber er gibt das Startsignal für den dreiwöchigen Sommerurlaub, der einen irgendwohin nach Frankreich oder Dänemark führen wird. Sofort ist man hellwach und die Müdigkeit fällt schlagartig von einem ab. Schwungvoll werden die letzten Handgriffe erledigt. Bereits um 6.15 sitzt man im Auto und fährt quietschvergnügt dem Sonnenaufgang entgegen.

So wachen wir auf, wenn wir ein überwältigend schönes Ereignis erwarten. Ich denke, solch ein Aufwachen und Aufstehen hat auch der Apostel Paulus vor Augen. Paulus sagt: Das Heil ist uns nahe! Es kommt uns entgegen, ist schon unterwegs. Von ferne her klingt die Botschaft von Weihnachten zu uns herüber: Gott kommt in unsere Welt. Alles wird sich wenden. Wo Dunkelheit war, wird Licht scheinen, wo Krieg ist, wird Frieden wohnen, Tränen werden versiegen und Lachen wird aufbrausen. Dieses Heil ist unterwegs zu uns, dieses Ereignis sollten wir nicht verschlafen!

Liebe Gemeinde. Vielleicht fällt es uns schwer, die Begeisterung des Paulus zu teilen. Vielleicht sagen wir: Nun hat diese Welt schon fast 2000 mal Weihnachten gefeiert und immer wieder wurde die Ankunft des Heils angesagt. Aber es ist doch immer noch dunkel! Es gibt doch immer noch Krieg und Tränen werden heute nicht weniger geweint. Wo steckt das Heil und wie können wir es finden? Ich kenne solche Gedanken, und dennoch will ich uns ganz entschieden Mut machen. Es ist ja jetzt erst früh am morgen. Wir müssen jetzt das Heil noch gar nicht erkennen und begreifen. Wir haben ja noch den ganzen Tag vor uns, die ganzen 3 ½ Wochen Adventszeit! Wir stehen erst am Beginn der Reise, und so Gott will und wir uns nicht in Belanglosigkeiten verzetteln, werden wir dem Geheimnis Gottes auf die Spur kommen.

 

II. Frisch machen

Es ist früh am Morgen, wir sind aufgestanden mit guter Hoffnung und die Müdigkeit ist mit einem Schlag von uns abgefallen. Jetzt ist es an der Zeit, sich frisch zu machen und den Schlafzimmergeruch abzulegen, damit uns der Start gut gelingt.

Wie wichtig das ist, macht die Gegenprobe deutlich: Es klingelt an der Haustür und wir fahren aus dem Schlaf. Der Blick auf den Wecker zeigt uns, dass wir hoffnungslos verschlafen haben und unten vor der Haustür schon die Kundschaft wartet. Wir springen in die Sachen, fahren uns kurz mit der Zahnbürste durch den Mund, nehmen einen Schluck kalten Kaffee aus der Kanne und hasten zur Tür, unterwegs die Haare mit den Fingern ordnend. Muffig und ungewaschen stolpern wir durch den Tag und das Gefühl, dass der Nachtgeruch noch an uns hängt, werden wir nicht wieder los. Das ist ein Albtraum! Aus so einem Morgen wird selten noch ein guter Tag.

Paulus sagt, wie es besser gehen kann: Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. Lasst uns ehrbar leben wie am helllichten Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Hader und Eifersucht.

Paulus zählt hier alles auf, was seiner Meinung nach zur Muffigkeit der Nacht gehört. Fressen und Saufen, Unzucht und Ausschweifung, Hader und Eifersucht All das gehört abgewaschen, damit wir frisch und neu in den Tag hinein starten können. Wir würden heute vielleicht andere Dinge nennen und andere Schwerpunkte setzen. Aber was Paulus meint, dürfte deutlich sein: l Schluss mit der Nachlässigkeit gegenüber unserem Körper! Der ist zu wertvoll, als dass wir ihn willenlos mästen könnten, mit Schadstoffen voll stopfen und verwahrlosen lassen. l Schluss auch mit der Nachlässigkeit gegenüber unserem Geist und Verstand. Der ist zu schade für süßliche Belanglosigkeiten und geistlose Berieselung! Der will anspruchsvolle Kost haben! Die schwierige Frage nach Gottes Geheimnissen und seinem Heil dürfen wir ihm nicht ersparen! Und hässliche Gedanken wie Eifersucht und Neid haben auch nichts in ihm zu suchen! l Schluss schließlich auch mit der Nachlässigkeit gegenüber anderen. Auch sie verdienen es, mit aller Behutsamkeit und Liebenswürdigkeit behandelt zu werden, so, wie es Gotteskindern zukommt.

Es ist die Zeit des Neuanfangs, die frühe Morgenstunde. Eine gute Zeit, um den Muff der Nacht, die Nachlässigkeit abzuduschen.

 

III. Anziehen

Der Tag ist nahe herbeigekommen. Wir sind aufgestanden und haben uns frisch gemacht. Nun ist es Zeit, sich anzuziehen.

Paulus sagt: Zieht an den Herrn Jesus Christus! Das ist ein fremdes und dennoch faszinierendes Bild: Den Herrn Jesus anziehen wie ein Kleid: Auf unseren frisch gewaschenen, nackten Leib dürfen wir das denkbar schönste und kostbarste Kleidungsstück auflegen. Und in diesem Fall stimmt das Wort: Kleider machen Leute. Dieses neue Kleid wird uns verwandeln, es wird mit uns nicht mehr so sein wie vorher, es ist eine zweite Haut, die wunderbar zu uns passt.

Zunächst einmal tut das neue Kleid, was jedes Kleidungsstück tut: es schützt uns. Wir haben ja jetzt Jesus Christus ganz in unserer Nähe, er legt sich schützend um uns. Dieses Kleid wehrt die Angst ab, die Dunkelheit und die Hoffnungslosigkeit, weil wir uns von Gott umhüllt wissen dürfen.  Gott in unserer Nähe – das wirft ein warmes Licht auf den Weg, der vor uns liegt.

Unser neues Kleidungsstück schützt uns gut, es wird aber auch seine Wirkung auf andere nicht verfehlen. Davon redet Paulus ganz am Anfang unseres Predigttextes: Wer den anderen liebt, der hat das ganze Gebot Gottes erfüllt. Angetan mit dem Kleid Christi werden wir die Liebe weitergeben, nicht nur an die, denen wir sie gewohnt sind zu geben, sondern an alle, die unseren Weg kreuzen. Liebe austeilen mit vollen Händen und aus vollem Herzen – das ist der Weg, auf dem das Heil in unsere Welt einwandern wird.

 

IV. Abschluss

Liebe Gemeinde. Es ist früh am Morgen, wir sind aufgestanden und haben uns frisch gemacht und auf unserer nackten, frisch gewaschenen Haut liegt das kostbare Kleid Christi: So dürfen wir heute die Adventszeit beginnen, so können wir uns dem Geheimnis nähern, dass Gott das Heil in unsere Welt schickt.

 

Amen